WER IST DER MENSCH HINTER EINER ARBEIT?

heilerin . begleiterin . ayurveda . körperarbeit . mediale arbeit. ausbildungen. erfahrungen. ein paar worte und schon scheint ein mensch erzählt.

doch wer ist da?

wir leben in einer zeit, in der wir schnell wissen wollen. was machst du. was kannst du. was bekomme ich. wir schauen. ordnen ein. gehen weiter. vielleicht nehmen wir uns immer weniger zeit, wirklich zu sehen. hier darfst du bleiben. ein wenig länger. wenn du magst.

dies ist eine geschichte über mein leben . eine version . ein ausschnitt davon .

über suchen . verirren . wissen wollen . lange nichts wissen. über stimmen und bilder. über feuer und metall. steine und körper. indien . engel . eine dusche in frankfurt . einen bus, der nicht kam. über menschen, die mir etwas zeigten. drei jahre unterwegs sein. heimkehren. und lange noch nicht wissen, wo eigentlich zuhause ist.

und über eine frage die lange in mir war.

W O  I S T

M E I N  P L A T Z

I N  D I E S E R  W E L T

mein weg

nach dem abitur wurde ich goldschmiedin. ich liebte es. meine hände. metall. feuer. ruß. goldschmieden ist schmutzig für etwas, das einmal glänzen wird. sägen . hämmern . biegen . erhitzen. das metall glüht. wird schwarz. löten. zwei teile verbinden sich. abschrecken im wasser. säure. wieder feuer. wieder wasser. schleifen. feiner schleifen. polieren. sie fragt viel geduld.

irgendwann glanz.

ich mochte diese ver W A N D L U N G.

dass etwas mitten im ruß sein kann und wir noch nicht sehen, was daraus wird. damals wusste ich nichts von heilkunst. ich war goldschmiedin. neugierig. und da war dieses fühlen, dass da noch etwas ist.

also ging ich weiter. designstudium . bildhauerei. bildhauerei liebte ich. wieder hände. material. raum. form. design war ich nicht. und trotzdem wurde daraus ein leben. gastprofessorin für design. beratung für design und kulturmanagement. ausstellungen kuratieren. frankfurt . mailand . arbeit . wohnung.

ein leben das richtig aussah.

ich dachte, so macht man das. studium. arbeit. vielleicht haus. kinder. dazugehören. die anderen schienen zu wissen, wie dieses leben geht.

ich wollte N O R M A L sein.

und gleichzeitig war da diese andere welt.

I C H .

the way is never elsewhere
— aus dem zen

ich hörte stimmen. sah bilder. alles immer in bewegung. hörte in meinen träumen delfine und wale. engel. sternenklang. ich nahm wahr und hatte keine sprache dafür. was ist meins. was ist deins. was kommt woher. was davon ist wahr. was mache ich damit.

ich wollte jemanden, der mir sagt: das ist das. diese frequenz ist diese. hier kannst du vertrauen. hier musst du unterscheiden. jemanden, der meine hand nimmt und mir zeigt, wie ich mich darin bewegen kann.

niemand kam.

also machte ich mich kleiner darin. drängte bilder weg. stimmen weg. wahrnehmung weg. mein weg wurde schmal. scheinbar sicher.

ich passte. dachte ich... bis ich nicht mehr passte.

mein körper ich passte nicht mehr.

ich war in frankfurt. eine ausstellung. meine ausstellung. ich war die kuratorin und sollte sie eröffnen. vorher ging ich duschen.

wasser.

ich stand darunter.

und konnte nicht mehr heraus.

kein weiter. kein zurück. nur wasser. fließen. mein körper sagte etwas, für das ich noch keine worte hatte.

S O

N I C H T

M E H R

my interest in our meeting, is that you meet the truth of who you really are.
— gangaji

innerhalb von zwei wochen kündigte ich alles. arbeit. wohnung in mailand. dieses leben. ich nahm den kleinsten robben & wientjes wagen, den ich finden konnte, und fuhr zurück nach berlin.

kein plan. nur ein hier nicht weiter. und irgendwann ein rucksack. 11,5 kilo. ich ging los.

ich wollte menschen finden, die diese welt kannten. die stimmen. die bilder. diese wahrnehmung, die ich nicht abschalten konnte. ich wollte nicht mehr ausgeliefert sein. ich wollte lernen zu unterscheiden. mich darin zu orientieren.

er K E N N E N was ich für W A H R nehme.

drei jahre war ich unterwegs. und irgendwann indien. roter sand. eine kreuzung. ich war aus einem bus ausgestiegen, der weiter nach norden fuhr. der busfahrer zeigte irgendwohin.

„wait here. bus coming.“

dann fuhr er.

ich wartete. früher konnte man in indien lange warten. also wartete ich. nur kam an diesem tag kein bus mehr.

eine indische familie nahm mich mit. dhal. chapati. ein tuch. eine ecke zum schlafen. kaum gemeinsame sprache. und mitten in diesem nirgendwo ein gefühl von sicherheit, das ich lange nicht gekannt hatte. chapati wurde später mein spitzname. ich liebe chapati bis heute.

am nächsten morgen ging ich zurück. dieselbe kreuzung. dieselbe unsichtbare bushaltestelle. ich setzte mich auf die rote erde. wartete.

irgendwann kam ein mensch die ebene. langes gewand. wettergegerbte haut. blaue augen. er kam näher. setzte sich mir gegenüber. sehr nah. lächelte.

„wait bus?“

„yes. wait bus.“

„god me say, go down. so i go down. and i am here.“

„you wait god.“

„no. me wait bus.“

„no. god me say you wait god. god me say take her and come me.“

ich weiß bis heute nicht, warum. fragte es nicht. ich bin mitgegangen. ich stand auf. und ging mit.

W A I T  B U S

W A I T  G O D

ich blieb ein jahr. er war medizinmann . heiler. irgendwann durfte ich mit ihm gehen. auf seinen wanderungen. ich lernte erde . wasser . feuer . luft . äther wahrzunehmen. zuerst in mir.

lauschen.

still werden.

da sein. präsent.

einen stein in die hand nehmen. und einen anderen. erfahren, dass sie verschieden sind. dass etwas anders klingt. anders schwingt. anders in mir antwortet.

ich lernte m i c h wahrzunehmen. dich wahrzunehmen.

was bewegt sich in mir, wenn du vor mir sitzt. was gehört zu mir. was berührt etwas in dir. wo werde ich eng. wo weit. wo still. wo beginnt ein wissen, bevor ich erklären kann, woher ich weiß.

P R Ä S E N Z

S T I L L E

L A U S C H E N

irgendwann begleitete ich ihn auf seinen medizinrundgängen. ich wollte bleiben. wirklich bleiben.

nicht zurück in diese welt, aus der ich gekommen war. nicht wieder versuchen hineinzupassen. nicht wieder wissen müssen, wie man dort lebt. doch ich musste gehen. und wieder war sie da. diese frage.

W O  I S T

M E I N  P L A T Z

in kürze. ein versuch einer aufzählung

ich verstehe die welt nicht linear. jedoch ist linearität manchmal hilfreich. hier eine aufzählung meiner lehren.